Tag 3:

Heraklion & Knossos

Mittwoch, 3.10.2001

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Um recht bald zu wissen, ob wir den Ausflug nach Iraklion und Knossos würden doch bei Neckermann buchen müssen, wollen wir diese Ziele entlang der Küstenstraße nach Osten heute unternehmen. Aufgrund allgemeiner Müdigkeit - die aktuelle Apotheken-Zeitschrift behauptet übrigens, hier Abhilfe schaffen zu können - gelingt es uns aber nicht, das Hotel wesentlich früher als am Vortag zu verlassen.

Der Busbahnhof von Rethymnon ist uns bisher persönlich noch nicht vorgestellt worden, liegt er doch am westlichen Rand des uns vorliegenden Kartenmaterials. In jedem Fall zieht sich der Weg ewig hin, dafür werden wir Zeugen original griechischen Verkehrs. Ampel nicht existent, ebenso wenig wie Katalysatoren, Helme tragen die Motorrad- und Mopedfahrer auch nicht. Nach etwa 40 Minuten - die Concierge unseres Hotels wird später behaupten, man könne das in 10 Minuten schaffen - erreichen wir jenseits der Fortezza den Busbahnhof, wo die grünen Überlandbusse standen, meistens aus Deutschland stammend und dort sicher längst ausrangiert. Die Station war ähnlich chaotisch wie der Flughafen in Iraklion, aber der Preis der beiden Rückfahrkarten entspricht zumindest dem im Fahrplan angegebenen.

Wir sind nicht die einzigen Ausländer, die nach Iraklion wollen, und schon nach fünf Minuten dürfen wir noch vor der Abreise den Bus wechseln, der alte hatte irgend einen Schaden. Dann aber geht's ohne nennenswerte Verspätung los, dank Klimatisierung angenehm. Kurz vor Iraklion müssen wir unserem Kartenmaterial entnehmen, daß die Inselhauptstadt zwei Busbahnhöfe besitzt, was für unser weiteres Fortkommen relevant ist. Kommunikationsversuche mit Eingeborenen im Bus scheitern an deren Monolingualität. Dennoch gelingt die Orientierung, sogar der Fahrweg durch die Altstadt ist nachvollziehbar. Der "schwierigste" Teil ist erledigt, wir wissen, wo wieder sein müssen am Abend, wenn wir hier weg wollen. Von den sanitären Einrichtungen sowohl in Rethymnon als auch in Iraklion am Busbahnhof darf man nicht zuviel erwarten.

Unmittelbar anschließend erfolgt allerdings die erste Ernüchterung: Trotz eines im Reiseführer angekündigten 20-Minuten-Taktes sollte der nächste Bus est gegen 14 Uhr fahren, später erfahren wir, daß der Takt wohl paßte, zur Mittagszeit aber nicht so ernst zu nehmen ist, ferner ist es eh besser, denn in der Mittagshitze wäre das kaum spaßig. Zwar könnten wir die Option eines Taxis nutzen, nur wirkt das zu abgekartet - der Busfahrkartenverkäufer verweist uns sofort an den unweit stehenden Taxifahrer. Außerdem hat sich spontan Bargeldmangel eingestellt.

Natürlich kommt noch erschwerend hinzu, daß die heißesten Stunden des Tages angebrochen waren. Die Stadtpläne von Iraklion wiesen zwar den Standort des Archäologischen Museums auf, aber aufgrund fehlender Straßennamen ist nur dies bedingt hilfreich. Die Idee, eine nach links nur leicht ansteigende Straße zu nehmen, wurde meinerseits zugunsten eine Treppenaufganges verworfen, im Vergleich zu dem die Spanische Treppe ein lächerlicher Spaziergang wäre. Ja, so geht's mit einer felsenfesten Meinung in den Untergang. Überlebt und gefunden haben wir es dennoch, also ist das erste Problem gelöst. Nun erst Wasser und den schlechtesten Greek Salad bisher überhaupt, und dann schaut uns noch die Bedienung schief an, weil wir nur einen bestellen.

Dann das Bargeld: Wo stecken die verdammten ATMs, wenn man sie braucht? Es gibt keine große Auswahl, wir müssen den ersten nehmen, erst will er nicht, und Sandra hat ihre VISA (keine Gebühren) nicht dabei. Also Citibank VISA, die Freiheit nehme ich mir und Spaß bei Gebühren und Zinsen. Aber Geld. Das AMI ist ein schmuckloser Bau im Stil von UN-Bauten aus den 60er Jahren oder so. Im Inneren gibt es im Erdgeschoß zwei Reihen von circa sechs aneinander grenzenden Räumen, in denen allerlei Exponate didaktisch konzeptionslos untergebracht sind. Da dies kein Kunstführer sein soll, nur ein paar Highlights, die ich hier aufführen möchte: Die Scheibe von Phaistos mit bisher nicht identifizierter Schrift, die ersten Muffinbehälter der Welt, Fresken aus diversen minoischen Palästen, Eierkocher, Kaffeetassen und einen ganzen Saal mit Badewannen aus Stein. Oder sind das Sarkophage? Nervige Touristengruppen, vor allem niederländische - Führer mit Hörgerät und Regenschirm - aber auch im Weg stehenden französische, tragen wieder beträchtlich zur Völkerverständigung bei. Die Beschriftung der Ausstellungsstücke, englisch, französisch und / oder neugriechisch, läßt auch zu wünschen übrig.

Ziemlich beeindruckt, vielleicht sogar etwas erschlagen, wollen wir nun die minoische Palastanlage von Knossos erkunden. Die Tickets sind schnell gekauft, allein, welcher Bus es werden wird, bleibt ein wenig im unklaren, dank anderer Touristen wird das aber kein tatsächliches Problem. Die etwa 20minütige Busfahrt offenbarte keine Geheimnisse der Inselmetropole Iraklion, allein die Stadtmauer wurde passiert. Das freundliche Zurufen der mitfahrenden Kreter ermögliche rechtzeitiges Aussteigen, ein Budenbesitzer konnte uns den 20-Minuten-Takt bestätigen - schön zu wissen für die Rückfahrt. Tickets für den Eintritt zum Palast gekauft. Und sofort werden wir von herumstehenden Griechen, die es mit Deutsch und Englisch versuchen, wegen einer Führung angesprochen. Angeblich verstünde man sonst nichts. Es geht natürlich auch so, schließlich gibt's gute Führer auch in Buchform. Imposant. Auch wenn die angebliche Bedeutung gewisser Räume fraglich ist. Schriftliche Zeugnisse fehlen. Und Evans Rekonstruktionen erscheinen bisweilen eigenwillig.

Der Bus von Knossos zurück nach Iraklion läßt nicht lange auf sich warten, und wir erreichen rechtzeitig den Busbahnhof, und steigen kurze Zeit später in einen Bus nach Chania, der angeblich auch in Rethymnon hält. Der Bus fährt fünf Minuten früher als angegeben ab - angeblich haben es die Griechen ohnehin nicht so mit der Zeit. Unterwegs kann man noch einer aufgeregten Tourifamilie aus Georgioupoli helfen: Sie steigen in Panormo aus. Als wir uns Rethymnon nähern, steigt die Spannung, ob wir nur am Busbahnhof aussteigen können, und somit den langen Weg zurücklaufen müßten und dann auch das Abendessen im Hotel verpassen würden. Wir erkennen spontan unser Hotel, springen auf, es wird sogar eine Haltestelle ausgerufen. Wir verstehen zwar kein Wort, schaffen es aber ca. 100 Meter vom Hotel entfernt den Bus zu verlassen.

Nach einem verspäteten Abendessen im Hotel, inklusive der obligatorischen Flasche Rotwein, die wir heute aufgrund eines uns schleierhaften Fehlers bar bezahlen müssen, begeben wir uns in die heute fast menschenleere Hotelbar, gönnen uns erst ein Glas Wein und dann zwei von den scheinbar beliebten, weil wohl relativ günstigen, Cocktails, über deren Qualität allerdings bestehen unterschiedliche Meinungen.

Um es künftig ähnlich wie unsere Nachbarn zu halten, und abends noch gelegentlich ein Glas Wein auf dem Balkon zu trinken, entwenden wir die Weingläser von der Poolterrasse. Diese Aktion wird vom Nachbartisch äußerst kritisch beobachtet. Wir schenken dem keine weitere Beachtung.


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